Vor kurzem, als wir uns ein Haus anschauten, in das wir, wie in so viele, ganz sicher nie einziehen werden, denn wer will schon in der Badewanne sein Kind baden, in dem eine Dame bereits 40 Jahre lang ihre Waesche und sonstiges gewaschen hat? Als wir uns also dieses Doppelhaus anschauten, und unser Baby dabeihatten, das beim Autofahren mit ziemlicher Sicherheit seligst schlaeft, so sie denn nicht hungrig oder nass ist, fragte uns die Vermieterin, die nebenan ihr Domizil hatte, ob sie ein "gutes Baby" sei. Was in aller Welt?
Da ich ja nicht auf den Kopf gefallen bin, war mir schon klar, dass sie herausfinden wollte, ob das Baby viel weint und ihr ihren Schlaf rauben wird, wenn wir einziehen. Natuerlich erklaerte ich ihr, dass Lisa fast nie weint und die Naechte so ruhig sind, als waere ueberhaupt kein Baby da. Was Lisa damit unterstrich, dass sie durch die ganze Unterhaltung hindurch friedlich in meinem Arm schlummerte. Was sie am liebsten macht. Und was Mama natuerlich auch mag, wenn es auch inzwischen 15 Pfund sind, die da an der Schulter und am Ruecken zerren.
Und es zeigte mir mal wieder, dass die allgemeine Ansicht in unserer Gesellschaft die ist, dass ein Baby seinen Eltern moeglichst wenig Aufwand machen soll. Durchschlafen heisst die Devise, moeglichst frueh, feste Nahrung zu sich nehmen, wenig weinen und am besten nach einem Jahr soweit sein, dass keine Windeln mehr notwendig sind. Wenn ich auch letzteres sehr befuerworte (seid ihr schon gespannt darauf, wie meine Windelgeschichten ausgegangen sind?), so sind diese Erwartungen doch dadurch entstanden, dass die modernen Eltern lieber ihr bisheriges Leben so weiterfuehren wuerden, als sich auf das neue Leben einzustellen. Und an den Zwaengen der Gesellschaft, die alle Muetter gleich wieder zur Arbeit zurueckberufen. Mutterschaftsurlaub ist hier ein Fremdwort. Jedenfalls, wenn es ueber 8 Wochen hinausgeht.
Durchschlafen. Wird mein Kind so schnell nicht. Schliesslich wird sie gestillt und da Muttermilch zwar grossartig und gesund und alles ist, aber wenig Fuellfette hat, haelt sie eben nur so zwei bis drei Stunden vor. Und dann wacht das Baby mit einem leeren Magen auf, der gefuellt sein will. Da Lisa neben uns schlaeft, ist dies kein Problem. Ich hoere ihre leisen "oeh, oehhhs" (die, wenn ignoriert in lautest Protestgeschrei uebergehen) und kann sie dann zu mir ins Bett holen und fuettern, ohne dass wir beide voellig aufwachen. (Das funktioniert so gut, dass, wenn wir Besuch haben, dieser jeweils denkt, unser Baby schlaeft durch die Nacht). So finde ich es also gar nicht so schlimm, dass Lisa zwei bis dreimal die Nacht aufwacht. Nur manchmal, wenn ihr Saugbeduerfnis ueber eine Stunde hinausgeht, und ich langsam steif werde, finde ich, dass elterliches Machtwort angesagt und eine Zwangsabnucklung erforderlich ist. Ich lese gerade "Good Nights" von Maria Goodavage und Jay Gordon. Das ist genug Thema fuer einen anderen Tag.
Isst sie feste Nahrung? Wie jetzt? Da sie noch immer einen starken Saugreflex hat, und ihr Leben vor unguenstigen Substanzen schuetzen muss, wird alles, was nicht Mutters Brust entspricht, mit der aeussersten Genugtuung ausgespuckt. Alles. Ausser vielleicht der gelegentliche elterliche Finger. Oder die eigene Hand. Und das ist auch gut so. Im Augenblick ist ihr Immunsystem einfach noch nicht dazu eingestellt, alle fremden Substanzen zu verarbeiten und so kommt es, dass viele Allergien dadurch entstehen, dass zu frueh allergene Lebensmittel zugefuehrt werden. Noch nimmt sie genug an Lebendgewicht zu, wenn sie Mamas Milch trinkt. Die hat bislang zumindest noch alles, was das Baby braucht. Alles.
Und das Weinen? Hallo? Wie sonst soll dieses kleine Wesen kommunizieren? Lisa weint sehr wenig, was daran liegt, dass wir glaube ich ein gutes Gefuehl dafuer haben, was sie grade braucht. Und viel Zeit mit ihr verbringen. Und sie oft am Koerper tragen. Jedoch, manchmal weint sie eben und sagt uns bestimmt und lautstark, dass sie uns jetzt braucht. (Und schoen hoere ich ihre Verzweiflungsschreie aus dem Schlafzimmer. Bis die Tage, denn)







Hallo Helga,
stimmt, die Frage, ob das Kind durchschläft oder nicht, nimmt offenbar einen sehr hohen Stellenwert ein. Ich glaube aber gar nicht, dass das so unbedingt am Stillen liegt. Meine beiden Töchter schliefen - auch gestillet - nach ca. 6- 8 Wochen durch. Das war schon toll. Erst bei meinem Sohn merkte ich, dass das wohl kein Standard ist. :) Als er nach drei Monaten immer noch nachts zweimal wach wurde habe ich mich zwar gewundert, aber ändern konnte ich es ja eh nicht. Und wenn die Kinder nah bei einem sind und man sie schnell zu sich holen kann, geht das mit dem Schlafen ja auch ganz gut.
LG Astrid
Kommentiert von: Astrid | 08. Mai 06 um 03:09