6 Monate arbeite ich nun schon wieder.
Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Wie ich finde.
Generell geht es uns allen ganz gut mit dem 35 Stunden Arrangement.
Ich erzaehle jetzt nicht, wie langweilig meine Arbeit ist, da dies nicht gerade zu meiner Aufmunterung beitraegt. Seit dem Managementwechsel im April haben sich die Herausforderungen deutlich vermindert und der Aufgabenaufwand wurde von Monat zu Monat schmaeler. Ich stehe das aber durch, da eine baldige Pause in Sicht ist - meiner Eltern kommen im September, das Baby kommt im November, und bis Januar oder Februar geht noch viel Wasser den Bach runter, so dass ich bis dahin hoffe, entweder etwas anderes aufgetrieben zu haben, von zuhause arbeiten zu koennen, oder mit einer genueglichen Abfindung gefeuert wurde. Aehnlich wie bei meiner letzten Festanstellung, ist geruechteweise die Rede davon, die Buchhaltung in den Osten zu verlagern, wo die Gehaelter niedriger sind und die Naehe zur Investmentfirma groesser ist. Nun, von allem jedoch abgesehen wollte ich ja eher von meiner neuen Einstellung als arbeitende Mutter erzaehlen, denn als gepeinigtem
Arbeitnehmer.
So dankbar ich also meiner Mutter bin, das erste Jahrzehnt meines Daseins ihr Leben der Kindererziehung und dem Haushalt zu widmen, und so gerne ich es genauso gemacht haette, so muss ich doch eingestehen, dass mir nach ungefaehr einem halben Jahr die Decke genueglich auf den Kopf fiel. Zwar gibt es tausend Dinge, die ich lieber tun wuerde, als Zahlen abzugleichen, Vertraege zu lesen und Schecks zu pruefen (Habe ich bereits erwaehnt, dass ich Amy Butler's neues Buch gekauft habe und mich in so gut wie mindestens die Haelfte der Projekte verliebt habe? Habe ich nicht? Oh, das ist ganz sicher einen Eintrag wert). Ich hatte aber immer das Gefuehl, dass ungefaehr 95% meiner Zeit mit Muttersein drauf gingen und ich weder den Haushalt erledigt bekam, noch irgendwelche Ich-Zeit hatte. Woran das Muttersein denn auch litt.
So dass ich eigentlich schon Mitte letzten Jahres offen war fuer einen Halbtagsjob. (Leider sind diese rar, besonders, wenn man versucht, einen gut bezahlten, gehirnnutzenden zu finden, der nicht zeitaufwandsmaessig in eine Ganztagsstelle konvertiert.)
Seit ich nun also arbeite, habe ich zumindest 35 Stunden die Woche Pause vom Hausfrauendasein. (Ich sage ausdruecklich nicht vom Muttersein, da das irgendwie denn doch nie pausiert) Ich muss mich aus den Trainingshosen und T-shirts in ansehbarere Kleidung werfen, ohne darueber nachzudenken, wie man die moeglichst unaufwaendig konvertiert, wenn das Kind Milch braucht, und kann aus dem Haus gehen, ohne dass mir fragende Blicke nachgeworfen werden, warum ich mich traue, dasselbe kinderlos zu tun. Ich kann sogar die ein oder andere halbe Stunde bei Art Fibers oder im Stoffladen verbringen. Ohne darauf achten zu muessen, was fleissige Haende am Boden auflesen oder aus den Regalen ziehen. Ich schaffe es sogar, in aller Ruhe in der BART Buecher zu lesen, zu stricken, oder einfach nur einzuschlafen.
Dieses neugefundene Ich freut sich denn an diesen kurzen Momenten des Alleinseins. Und weiss sie wertzuschaetzen. So dass die Mutter, die dann nachmittags nach Hause kommt, sich darueber freut, wie ein aufgeregtes Kind schon beim Anblick des herannahenden Autos Luftspruenge macht und der vermissten Mama gleich, noch bevor sie die Tasche abstellen, Schuhe ausziehen oder Atem holen konnte, alle Geschehnisse des Tages erzaehlt (noch, muss man dazu sagen, erst halb verstaendlich). Diese kurzen Augenblicke der Freude und Aufregung sind alle Anstrengungen die folgen, wert.
Was besser fuer das Kind ist, kann ich noch immer nicht sagen. Ich habe das Glueck, viel Unterstuetzung zu haben. Wir haben eine familienaehnliche Situation in der Daycare vorgefunden, ich habe eine Schwiegermutter, die zwar nicht immer nach meinen Erziehungsmethoden, jedoch mit viel Liebe agiert, und einen Mann, der im Lauf eines Tages immer mal wieder zuhause aufschlaegt, so dass Lisa die Zeit sicher nicht ganz so lange vorkommt. Die ersten paar Monate erklaerte sie allen, die es hoeren wollten: "Mami come at three o'clock".