Seit Dienstag bin ich (fast) jeden Tag am Kochen. Das ist gleich eine zweifache Seltenheit, da, seit Lisa unsere Familie vervollstaendigte, normalerweise L kocht, wenn wir uns nicht entscheiden, gleich auswaerts zu essen oder was vom Chinesen zu holen. Wenn jedoch Gemuesediaet angesagt ist, dann wagt sich L nur ganz am Ende in die Kueche und beseitigt die angebrannten Pfannen, fehlgeschlagenen Versuche und uebergekochten Toepfe.
Und Gemuesediaet ist das Stichwort. L reinigt seinen Organismus, waehrend ich stillenderweise vorerst nur auf Gemuese ohne Abfuehrmittel umgestiegen bin, um der Kleinen nicht all meine Schadstoffe einzuverleiben. Da makrobiotisch dem Mann nicht mehr auf den Tisch kommt, versuchen wir es diesmal schmackhaft mit Vollwertkost und einem Kochbuch, dass ich jedem nur empfehlen kann, ob mit oder ohne neuem Nachwuchs:
"Feeding the Whole Family" von Cynthia Lair.
Empfohlen wurde es mir von unserer Kinderaerztin, die bei Ms Lair in die Lehre ging. Und ich muss sagen, nach einer Woche habe ich entweder genau die Rezepte herausgezogen, die in meiner Familie ankommen oder das Buch ist ein Hauptgewinn.
Sogar unsere siebenjaehrige Nichte, die schwer zum Essen zu bewegen ist, schwaermte mir von dem Linsenbrotaufstrich vor und vertilgte zwei Teller Erbsensuppe. Muetter hergehoert. Und L's Dad, der diese Woche Strohwitwer ist, und daher jeden Abend "mal schnell auf einen Sprung" vorbeischaut, um dann die Reste zu vertilgen, kam zweimal wieder, um zu sehen, was es neues zu essen gibt. Da war der gestrige Pizza-Ausrutscher (wir waren eingeladen, da kann man nichts machen, wenigstens war sie vegetarisch) nur halb so schlimm.
Das abendliche Menue begann am Dienstag mit Nussburgern, Mittwoch gab es die beruehmte Erbsensuppe, die gleich wiederholt werden muss, Donnerstag gab es Buchweizennudeln mit Chinesischem Gemuese in Bruehe. Gestern dann die Pizza (von Joes in Burlingame, nicht selbstgemacht). Heute abend kocht L's Dad Linsensuppe und morgen gibt es dann Rote Beete Suppe. Na, schon jemand neugierig?
Der Linsenbrotaufstrich haelt sich ein paar Tage im Kuehlschrank und schmeckt gut mit Gurken und Zwiebeln oder auch Gewuerzgurken. Auf Vollkorn(hanf)brot. Heute gab es Buchweizennudelsalat zum Mittag mit Zwiebeln, Sellerie, Suppenkraut, und einem Dressing aus Oel, Balsamessig, und Tamari (Sojasosse ohne Salz). Alles aufgegessen.
Und die Portionen? Das erste Kochbuch, das ich kenne, in dem 4 Portionen auch wirklich 4 sind, und nicht zwei oder eine ganze Armee ernaehren koennen. Alles passt.
Das beste am Buch ist, dass alle Rezepte mit wenig, aber doch vielfaeltigen Zutaten auskommen, und spezielle Zutaten (wie Reisessig oder Ahornsirup) in verschiedenen Rezepten wiederholt werden, so dass man nicht einmal die Riesenausgabe hat und dann das Zeug nie mehr braucht. Bei vielen Rezepten gibt es Tips zum kombinieren, so dass ein ausgeglichenes Essen auf den Tisch gebracht werden kann.
Zwar ist das meiste vegetarisch (ein paar Fisch- und Huehnchenrezepte gibt es), aber Tofu kann auch mit Huehnchen ersetzt werden, Seitan und Tempeh mit Rindfleisch, so dass das Buch eigentlich gar nicht mehr aus der Hand gelegt werden muss. Ausserdem gibt es Tips fuer Fruehstueck, Mittagessen (Lunchpakete) und auch Backwaren.
Und mit einem neuen Baby ist es besonders hilfreich, dass alle Rezepte einen Tip enthalten, was man seinem Kind davon zu essen geben kann, so dass man nicht zweimal mit Kochen anfangen muss und auch das Baby ausgewogen ernaehrt wird. Wenn es dann feste Nahrung zu sich nehmen kann. Und fuer aeltere Kinder gibt es manchmal Tips, wie man das Essen bunter oder aufregender gestalten kann.
Auch die Einleitung ist kurzweilig zu lesen, und hat hilfreiche Informationen zum Stillen, und zur Vollwerternaehrung fuer Kinder. Und am Ende gibt es dann noch eine (kurze) Liste mit den etwas exotischeren Zutaten wie Seealgen und Gewuerzen, die vielleicht nicht jeder kennt.
Wer Bilder vom Gekochten braucht, ist mit dem Buch nicht gut bedient. Doch trotz ohne Photos gab es bislang noch nichts, was wir nicht gemocht haetten. Und das will was heissen. Wir haben so unsere Erfahrungen mit Gemuesediaeten.
Der aufmerksame Leser, der zwischen den Zeilen lesen kann, hat vielleicht gemerkt, dass ich das Buch liebe. Und die Pfunde purzeln auch. Schmackhaft.