Die Popularitaet von Mustern mit fallengelassenen Maschen kennt zur Zeit wenig Grenzen. Also dachte ich mir, versuche ich das auch mal:

Ungluecklicherweise hat mir keiner gesagt, dass der modische Effekt nicht so gut rauskommt in einem Zopfmuster. Bemerkt habe ich dieses neuerliche Problem an dem problembeladensten Pullover meines Lebens als ich eine ungerade Maschenzahl in der spitz zulaufenden Raute hatte. Ich befuerchtete schon, ich haette im Unverstand zwei Maschen zusammengestrickt und suchte verzweifelt, ob man das irgendwo erkennen konnte. Schon sah ich mich wieder beim Auftrennen.
Sicher kann sich der strickende Leser mein Nervenkostuem vorstellen, besonders, da der Abend sich bereits dem Ende neigte und meine Energie sich dem Abend anschloss.
Als ich die Masche dann keck aus dem Zopf hervorragen sah, war ich zwar erfreut, den Fehler gefunden zu haben, zur gleichen Zeit jedoch verzweifelt, da es nicht ganz so einfach ist, eine Masche in einem Zopf wieder aufzufangen. Besonders, da sich dieser Zopf in zwei Straengen ueber mehrere Maschen hinzieht. Ich hatte die Masche auch nicht wirklich ueber mehrer Reihen fallengelassen, sondern nur in dieser einen Reihe ausgelassen. Die eigensinnige Masche war von meiner Nadel gesprungen und dort stehengeblieben.
Fuer ungefaehr fuenf Minuten zog ich in Erwaegung, die Masche einfach hinter dem Zopf schraeg hochzuziehen, diese Aktion war jedoch von Anfang an zum Scheitern verurteilt, zum einen wegen der ungluecklichen Platzierung der fallengelassenen Masche, zum anderen wegen der Tatsache, dass dies mein Meisterstueck werden soll; und genau wie unterschiedliche Bundlaengen, so ist auch eine hingemurkste Masche nicht gerade meisterlich und fuer geuebte Augen unuebersehbar.
Trotzdem wollte ich nicht schon wieder auftrennen. Ich habe ja noch nicht einmal den Stand der letzten Woche wieder erreicht, geschweige denn irgendeinen Fortschritt zu verzeichnen. Maschen mit Hilfe einer Haekelnadel hochzuziehen ist schneller, als zehn Zentimeter neu zu stricken. Es erfordert nur immense Konzentration, besonders, wenn man nicht eine Masche hochstrickt, sondern zwoelf.
Die erste Ueberwindung ist es, die zwoelf Maschen von der Nadel zu ziehen und fallenzulassen. Dabei muss man aufpassen, dass man alle Maschen gleichmaessig auftrennt und sie rechtzeitig wieder auffaengt. Danach muss man seine ganze Aufmerksamkeit darin aufwenden, die Maschen nicht verschraenkt hochzustricken - erschwert dadurch, dass man das Muster weiterverfolgen, Maschen verkreuzen und manche Maschen rechts, andere links neu stricken muss. Ausserdem sollte man darauf achten, die Maschen gleichmaessig zu stricken. Schliesslich hat man eigentlich fuer die benoetigten Maschen zuwenig Wolle (eine Masche wurde ja nicht gestrickt).
Eine halbe Stunde hat es gedauert. Das Ergebnis kann sich jedoch sehenlassen, wie ich finde. Seht selbst:

Ich hoffe, die Pruefer sehen das auch so. Ich habe das Gefuehl, dass ich in meinem Leben nicht mehr viele Aran Pullover stricken werde. Jedenfalls nicht fuer Erwachsene. Zwar liebe ich das Ergebnis, aber der Weg dahin ist mit zuvielen Hindernissen gepflastert fuer meinen Geschmack.